Tiere, Menschen, Sensationen

Als ich in Sukumo ankam, dachte ich zunächst “Warum muss ich immer als Individualtourist unterwegs sein und kann nicht einfach mal normalen und stressfreien Pauschalurlaub machen?!” Gerne hätte ich nach Ankunft mit der Bahn einfach ein fertiges Zimmer vorgefunden, geduscht und wäre gern an den Strand zum Sonnenuntergang gucken gegangen.
Stattdessen lies ich mich von Maps.me überreden ein Taxi zu nehmen. Das Hostel liegt 4,5 km entfernt und mit dem Gepäck – Nein, gelaufen wird das bei der Hitze nicht! Ungefragt teilte mir das Smartphone noch mit, dass der nächste Uber-Fahrer 270km entfernt wäre, ist vielleicht ein bissi weit.
Im Hostel angekommen die nächste Ernüchterung: Bargeld ist alle und so ziemlich jeder ATM akzeptiert keine VISA Karten. “Lawson” und der “K-Mart” übrigens auch nicht und 7/11 gibt es auch erst in 150 km. Bei der Post kann man gegen eine kleine Gebühr (wirklich sehr sehr klein) allerdings immer Geld abheben, Ando der Hostel-Chef fuhr mich also zur Post, ich zahlte mein Zimmer und los ging es. Als ich später nach einem Bus oder ähnlichem fragte, stellte sich heraus: Gibt es nicht. Ich war hier also mehr oder weniger gefangen. Bei der Reiseplanung bin ich einfach von einem ähnlich hohen Standard der ÖPNV Infrastruktur ausgegangen, wie ich sie in Japan bisher kennen gelernt habe, nicht so in Shokuku. Auf der anderen Seite wirkt das Leben hier noch etwas ursprünglich. Sukumo ist ein Fischerstädtchen mit einer recht großen Fangflotte, wie man am Hafen sieht. Der Hafen ist nicht unbedingt modern, scheinbar ist die Zeit seit den 70ern gefühlt stehen geblieben. Die Seeluft kann natürlich auch für den hohen Rostanteil an allen möglichen Metallgebäuden und Konstruktionen sorgen, genau weiss ich das nicht und die Englisch-Kenntnisse vom Hostel-Chef, dessen einziger Gast ich bin, reichen auch nicht wirklich für eine Unterhaltung über Land und Leute aus. Aber dieser Google-Translator ist wenigstens so gut funktionierend, dass man alle möglichen alltäglichen Absprachen problemlos tätigen kann. Eine Unterhaltung macht auf dem Niveau nur wenig Spaß.
Sukumo ist nicht unbedingt ein Urlaubsort, ist der Strand doch weniger einladend. Wirklich krass wieviel angeschwemmter Müll sich an einem Strand sammelt, wenn der nicht täglich aufgeräumt wird!
Eine kurze Recherche ergab jedoch genug Programm für die kommenden zwei Tage und vom nächsten Stop Kochi aus, kann man auch eine Menge Strandkram machen. Kochi ist deutlich besser an alles angebunden.
Ich lieh mir also ein Fahrrad und los ging es. Die 25km von Sukumo nach Shimanto-Chu führten mich an einer Landstraße an ziemlich vielen Reisfeldern vorbei. Mir war nie aufgefallen, das Reisfelder, wenn die Sonne scheint, wie ein riesiger Reiskochtopf riechen. Dazu dieses tolle Grün – herrlich! Angenehm auch mal wieder in einer Gegend angelangt zu sein, die nicht zu gefühlten 80% bebaut ist, mit der damit einhergehenden geringen Getränkeautomatendichte, stellenweise gab es nur alle 2km einen Durstlöscher, konnte ich umgehen. Neben den wunderschönen Fahrradwegen oberhalb des naturbelassenen Flusses Shimanto (erinnerte mich an den Green River in Yangshou, China) gab es jede Menge zu beobachten. Unter anderem ging es kilometerweit durch einen Bambuswald, tausend Mal toller, als dieses überlaufene Stückchen Wald in Kyoto!
Bambuswald und Reisfeld sind leider wohl auch die Heimat der ein oder anderen Schlange. Der große Nachteil beim Radfahren ist, dass man einen ziemlich genauen Überblick über Teile der lokalen Tierwelt bekommt, da das ein oder andere Exemplar dann doch totgefahren am Straßenrand liegt. Wirklich viele Schlangen lagen da, in allen möglichen Größen und Trocknungsgraden. An einem Verkehrsschild hing zudem noch die größte Spinne, die ich jemals sah. Müsste so ein “Big-Huntsman” – Ding gewesen sein, eine invasive Spinnenart aus Australien (groß, aber ungiftig). Der größte Feind der Vögel ist aber offensichtlich der Mensch, sind die Vogelscheuchen doch eher menschlicher Gestalt, denn der einer Schlange (wie in Sri Lanka). Bei der Hitze halfen übrigens literweise Wasser (ach!) und der exzellente eiskalte und ungesüßte Grüne Tee aus dem Automaten. Kalter Grüner Tee als Durstlöscher werde ich in meinen Haushalt auf jeden Fall als ständigen Begleiter aufnehmen, das ist wirklich der Hammer!
In Sukumo gibt es dann am Hafen zwei, drei Adler, die sieht man ja jetzt auch nicht täglich.
Insgesamt eine sehr interessante Ecke hier unten, auch wenn für Standardtourismus eher ungeeignet.

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