Bikende Bambis

Kyoto ist eine Fahrradstadt. Im Vergleich zu Tokyo oder Hiroshima mag das stimmen. Fahrradstadt bedeutet aber nicht, dass es verkehrsberuhigte Zonen gäbe o.ä. Immerhin verlaufen parallel zu einigen sehr großen Straßen Fahrradwege, die man sich allerdings, i.d.R. mit Fußgängern teilt.
Da Kyoto eine weitläufige Stadt ist, mit 827 km² vergleichbar mit Berlin (891km²), ist eine Fortbewegung mit dem Rad auf jeden Fall ein großer Gewinn gegenüber dem Laufen. Das ÖPNV Netz in Form von U-Bahnen erschließt sich mir noch nicht so ganz, war aber bisher auch einfach zu faul mich darum zu kümmern und eine wirkliche Notwendigkeit bestand nicht. Bus fahren scheint mir keinesfalls schneller als Rad fahren. Also ab aufs Rad. Ziel war der Berg Inari, von dem aus man wohl eine tolle Aussicht auf die Stadt hat.
Unterwegs lernte ich Flüsse, Kanäle und diverse Schreine kennen. Dieses “unterwegs” dauerte 1,5h, auch weil ich zunächst mich an den Linksverkehr gewöhnen musste. Erfreulicherweise mit dem Fahrrad gar nicht so schwer, da man hier scheinbar rechts wie links den Fahrradweg in beide Richtungen benutzen darf. Wenn es denn einen separaten Radweg gibt!
Der Weg zum Inari lohnte sich jedenfalls, bisher die am schönsten angeordneten Schreine, die ich hier gesehen habe! Zwar deutlich weniger Holz, auf der anderen Seite besser in die Natur eingefügt!
Nach einem kurzen Zwischenstop im Hostel (Sonnencreme!) ging es dann in den Bambushain, ich denke hier muss ich nochmal bei Regen herkommen, also sollte es die kommenden drei Tage überhaupt nochmal regnen, aktuell sieht es nicht danach aus. Bei Regen sind hier sicherlich ein paar tausend Touristen weniger und man kann eine mögliche magische Stimmung des Bambushains erfahren.
Die Fahrten mit dem Rad dauern jedenfalls, alle 50m ist eine Ampelkreuzung, der clevere Radfahrer vor Ort fährt, wo grün ist, “über Eck” – daran muss ich mich noch gewöhnen. Meine total defensive Fahrweise bedeutet dann doch, dass ich ein wenig länger für Wege brauche.

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Als eine der schönsten Landschaften Japans gilt die Halbinsel Miyajima.

Und. Das ist keineswegs untertrieben. Der Ausflug lohnte sich trotz einer Strecke, die man in Deutschland nicht mehr als “Ausflug” werden würde.
Die 400km von Kyoto vergingen im Shinkansen wie im Flug. Wurde im Blog bereits der JR Rail Pass abgefeiert? Tagesausflüge, wie der heute, werden durch den JR Pass sehr günstig. Der Shinkansen ist wirklich ein Top Mittel um Japan zu bereisen. Total schnell, bequem, klimatisiert und himmlisch ruhig! Ruhe, die man im Hostel (Wer mal nach Kyoto kommt: Unbedingt im Piece Hostel absteigen!) oder den Städten nicht findet. Insgesamt ist, zumindest dervon mir bisher bereiste Teil Japans eher dicht besiedelt. – Quasi Ruhrpottstyle -. Eben noch in Tokyo, dann schon in Yokohama, teilweise sind die Grenzen fließend. Etwas Natur wäre also nach so viel Stadtleben heute genau das richtige, hat gestern ja auch Spaß gemacht! Der Shinkansen gleitet jedenfalls 1 3/4 h dahin (370km), in Hiroshima muss ich in die Regionalbahn umsteigen, am Hafen nach Miyajima dann das JR Fährboot nehmen. Dank der App “Hyperdia“, die Verbindungen anzeigt, kein Problem. Im Gegensatz zu Deutschland oder Italien klappen die Verbindungen hier immer, minutiös genau, die Gleisangaben der App sind zuverlässig. Unterm Strich ist Japan mit der Bahn zuverlässiger und stressfreier zu bereisen als jedes Land in dem ich zuvor ÖPNV genutzt habe.

 

 

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Als ich dann auf dem Fährboot stehe, muss ich feststellen, dass ich wohl nicht der einzige bin, der in der Natur entspannen möchte. Größtenteils Reisende, vor allem Asiaten, bevölkern die Fähre. Japaner sind wenige darunter, die müssen offensichtlich arbeiten. Det Großteil der Passagiere besteht jedenfalls aus Gruppen mit Führer und Fähnchen (China, Singapore, USA). Die meisten bleiben beim schwimmenden Shrine, der bei Flut sicher beeindruckender ist. Bis 7pm war aber Ebbe. Als ich den Weg zum Mt. Misen (530m) fand, wurde ich vor die Entscheidung gestellt hochzulaufen (zu anstrengend) oder mit der Seilbahn hochzufahren (und runter zu laufen). Als mich die Seilbahn nach Fahrt über einen Wald, dessen Laubbäume eher einem typisch dt. Laubwald ähnelten (für Biologen: und damit weniger einem Dschungel), war das erste über was ich stolperte ein “Vorsicht Schlangen“ Schild. Nun gut, hats also doch was von einer Dschungeltour! Nach ein paar Minuten verflog die Angst und ich konnte mich wieder an der krass guten Aussicht über die Bucht von Hiroshima freuen.  Der Weg runter war der Hammer! Prima Entscheidung und insgesamt ist das Areal so groß, dass sich die Massen auf der Insel eher gut verteilen. Die überall auf der Insel herumlaufenden Rehe sind angeblich wild, aber total zutraulich (und damit sooooo niedlich). Die Warnung, dass die Rehe sehr gern JR Pässe essen sollte man ernst nehmen, ich habe es mit eigenen Augen gesehen! Bei der Zahl an fütternden Touristen nehme ich an, dass die Tiere einfach nur krass verwöhnt sind.

 

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