No more Hiroshimas!

Der Devise des Friedensparks Hiroshima kann man sich nur anschließen.

Eigentlich wollte ich hier ein wenig über den witzigen Abend im Hostel, singaporische Perspektiven auf das Weltgeschehen, Bier- im Vergleich zu Nike-Schuhpreisen, die “Civ V“ Boni für den Bau der Burg Himeji, die Vorzüge japanischer Toiletten für Austern Esser, die bei 30er Waist endenden Hosengrößen für Männer und die Unmöglichkeit ein gutes Foto vom Shinkansen Hochgeachwindigkeitszug zu machen, schreiben.

Danach ist mir nach dem Besuch des Atombombendoms, des angeschlossenen Museums und der Gedenkstätte in Hiroshima nicht mehr. Auf den ersten Blick wirkt Hiroshima wie eine typische japanische Großstadt, alle Häuser recht neu bzw. kaum älter als 40 Jahre, wuseliges Stadtleben. In ihrer Wuseligkeit empfinde ich Japan und seine Einwohner&Touristen als so zurückhaltend, dass man selbst deutlich weniger vom Stress angesteckt wird. Bei ähnlicher Menschendichte empfinde ich den Seltersweg, Shanghai oder Neapel als deutlich stressiger.

Zur Fortbewegung gibt es hier eine Straßenbahn, das Tagesticket kostet 600 Yen, wer jede Fahrt einzeln zahlen möchte, bezahlt beim Aussteigen bei Fahrer oder Schaffner. Übrigens ist der Austerntip des Lonely Planet unbedingt zu berücksichtigen, ich rechnete schon damit, dass mir NACH dem Gedenkpark nicht nach Austern sein würde. Das Lokal am Fluss liegt schön und jede der neun Austern wird anders zubereitet (Lunch Menu). Nach dem Essen wieder in die Straßenbahn, dort wurd mir langsam bange, wie dieser Gedenkort wohl wirken würde. Ist das Wetter nicht viel zu gut, um sich bedrücken zu lassen?  Ich versuchte noch dem Besuch aus dem Weg zu gehen, indem ich nach einer zweiten Short suchte. Erfolglos. Beides.

Wenn man sich daran gewöhnt hat sich in Zügen fortzubewegen, die im Fahrtmittel 250km/h gleiten, wirkt die Straßenbahn plötzlich unglaublich langsam. Sie spuckte mich dann irgendwann an der Station “Hon-Dori“ aus. Laut Karte ein Katzensprung zum Gedenkpark. Etwas irrind empfand ich die Mall, die ich dann nicht mehr nach Shorts scannte.

Noch ein Stück weiter endete sofort jegliche Form von Betriebsamkeit. Der Anblick des Doms lässt einen erschaudern, da hilft es auch nicht, dass heute zum ersten Mal seit einer Woche die Sonne scheint. Der Dom wurde Anfang des 20. Jahrhundert von einem tschechischen Architekten entworfen, den ursprünglichen Zweck des Gebäudes habe ich  vergessen. Das Epizentrum der Explosion lag 600m über dem Dom, rings um den Dom wurde es in der ersten Zone 4000-7000 Grad heiß. Die Folge war, dass nahezu   alle, die sich in Hiroshimas Innenstadt, sofort verbrannten oder an den Folgen der VerK1600_DSC_4966K1600_DSC_4983brennungen innerhalb von 24h verschieden. 1200m war der Durchmesser dieser Zone.

Im Museum konnte man im geschmolzene Flaschen und Brotdosen besichtigen, zudem wird die Atombombe physikalisch erklärt. Das Museum wurde kürzlich renoviert und die Tafeln überarbeitet. Das merkt man ihm auch an. Eine besondere Rolle nehmen die Kinder unter den Opfern ein.

 

 

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Sadako Sasaki war beim Atombombenabwurf zwei Jahre alt. Mit elf erfuhr sie von einer Leukämieerkrankung. Sie erinnerte sich an eine alte japanische Tradition und begann Papierkraniche zu falten. Wenn man tausend Papierkraniche faltet, erfüllt sich ein Wunsch, so die Legende. Sadako starb dennoch. Die Darstellungen differieren, ob sie es schaffte die 1000 Kraniche zu falten. Der Lonely Planet romantisiert,wenn er schreibt, dass Sadako es nicht geschafft habe und viele Kinder weltweit ihr seither helfen die Kraniche zu falten. Das Museum schreibt, dass ihr auch das Falten von 1300 Kranichen das Leben nicht gerettet habe. Die Tradition des Kranichfaltens lebt jedoch weltweit, gerade um den Jahrestag des Abwurfs, den 6. August, herum, wieder auf. Der Gedenkpark war, sicher wegen der Mittagshitze, verlassen. Umso eindringlicher wirkte der Park gerade im Kontrast zum sonstigen Gewusel. Insgesamt ein beeindruckender Ort! Hier wurde mit Blut der Frieden der kommenden 40 Jahre während des Kalten Kriegs gezahlt.

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