Von Samurai, Nazis und Vulkanausbrüchen

Bei meinen Planungen stellte ich fest, dass mir zwei Tage Tokyo wohl doch zu anstrengend würden. Das Gewusel und die hohen Temperaturen bei 90% Luftfeuchtigkeit … Anstrengend! Also beschloss ich, nach Lektüre des Reiseführers, nach Aizu – Wakamatsu, etwas nördlicher als Nikko, zu fahren und von dort dann nach Tokyo.

In Aizu Wakamatsu begab es sich, dass eine Gruppe von 50 jungen Bushi. Bushi sind bei uns unter dem Begriff Samurai bekannter. Dieses sind einem Herren zugeordnete Krieger, also Leibeigene. Herrenlos gewordene Krieger nennt man Ronin, diese gelten als ehrlos. Dem Kodex der Samurai nach dürfte es Ronin nicht geben, da ein Samurai, bevor er ehrlos wird, Seppuku, einen rituellen Selbstmord begehen muss. Dieser rituelle Selbstmord wurde in der Regel so ausgeführt, dass die Samurai sich ihr Schwert in den Bauch rammten.
Bei einem Bürgerkrieg zwischen Zentral- und Feudalherren in Japan im 19. Jahrhundert (Boshin Krieg) kam es dazu, dass eine Gruppe von 20 jungen Samurai (sozusagen noch Azubis) irrtümlich Seppuku begingen, da sie davon ausgingen, herrenlos zu sein.

Die Schlacht ging unterm Strich für den Shogun der Samurai verloren, nach Ende des Krieges wurde mit dem Sieg der kaiserlichen Truppen der Weg für weitreichende Reformen und das moderne Japan frei. Seppuku wurde noch unüblicher, als er zur Zeit der jungen Samurai schon war. Das hielt europäische Faschisten aus Italien und Deutschland in der Phase der Verhandlung des Antikominternpakt (1936) nicht davon ab, zu Ehren der 19 toten Samurai, mehrere Denkmäler in Aiku Wakamatsu aufzustellen. Einer der Samurai überlebte seine Verletzung und lebte noch bis 1931.

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Wer auf Samurai Merchandise steht, wird jedenfalls in Aizuwakamtsu fündig!
Diesen ganzen Aufwand mit dem Bürgerkrieg hätte sich der Shogun sparen können, denn wenig später ereignete sich in unmittelbarer Nähe eine Naturkatastrophe unglaublichen Ausmaßes. 1888 brach der Bandaisan, ein Vulkan einer benachbarten Vulkangruppe aus und verlor dabei angeblich 600 Höhenmeter (!). Man kann sich vorstellen, dass danach so ziemlich alles drumherum kaputt war und spätestens jetzt der Feudalherr die Hilfe einer Zentralregierung gebraucht hätte.

Eigentlich wollte ich vom Bandaisan aus Panoramabilder machen, beim dem Wetter machte das aber wegen schlechter Sichtverhältnisse keinen Sinn.

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Reisfelder in Aizuwakamatsu:
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Burg des Shogun:
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